American Psycho

horror1966
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American Psycho

Beitragvon horror1966 » Do Feb 08, 2018 7:49 pm

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American Psycho
(American Psycho)
mit Christian Bale, Justin Theroux, Josh Lucas, Bill Sage, Chloë Sevigny, Reese Witherspoon, Samantha Mathis, Matt Ross, Jared Leto, Willem Dafoe, Cara Seymour, Guinevere Turner, Stephen Bogaert
Regie: Mary Harron
Drehbuch: Mary Harron / Guinevere Turner
Kamera: Andrzej Sekula
Musik: John Cale
FSK 16
USA / 2000

Ein eiskalter Yuppie auf einem mörderischen Trip: Patrick Bateman (Christian Bale) hat im New York der 80er alles: Geld, gutes Aussehen, jeden erdenklichen Luxus... und einen unstillbaren Hass auf sein Umfeld. Diesen kompensiert er mit sadistischen Morden an jungen Frauen, für die ihm bald schon die Polizei auf der Spur ist. Aber Schein und Sein liegen nahe beieinander in der trügerischen Welt des Yuppie-Killers, dessen Realität schon bald auf äußerst tönernen Füßen steht.


Christian Bale zählt wohl ohne jede Frage zu den besten Darstellern Hollywoods und war schon in etlichen tollen Filmen zu sehen, doch im vorliegenden Werk "American Psycho" ist der gute Mann in seiner absoluten Paraderolle zu sehen. Die Geschichte basiert auf dem 1991 erschienenen Roman von Bret Easton Ellis und Bale ist in der Rolle des soziopathischen Yuppie-Killers Patrick Bateman zu sehen, was für seine weitere Karriere ganz sicher nicht schädlich war. Der Film ist nur schwerlich in eine ganz bestimmte Schublade zu stecken, vermischen sich hier doch die Elemente des Horrors mit denen des Thrillers. In erster Linie ist "American Psycho" jedoch viel eher als eine bitter-böse Satire anzusehen, was während der gesamten Laufzeit immer wieder äußerst stark in Erscheinung tritt. Die kühle und glatte Optik verleiht dem Szenario einen fast schon sterilen Anstrich, was durch die Schauplätze des Geschehens als auch durch den größten Teils des Tagesablaufes der Hauptfigur immer wieder zur Geltung kommt. So bekommt der Zuschauer zunächst auch erst einmal eine ausführliche Einführung in das oberflächliche Leben von Bateman, was mit dem morgendlichen Pflegeprogramm beginnt. Die dazu gehörigen Produkte werden explizit benannt, ebenso nehmen ein tägliches Fitnessprogramm und etliche andere Oberflächlichkeiten einen enorm großen Teil im Leben der Hauptfigur ein. Geld, beruflicher Erfolg, gutes Aussehen und weitere Statussymbole sind hier das Non plus Ultra und die dargestellten Freundschaften oder Beziehungen verdienen noch nicht einmal die jeweilige Bezeichnung.

Dem Zuschauer präsentiert sich eine künstlich aufgebauschte Welt, in der Emotionen keinen Platz haben. Stattdessen ergibt sich ein regelrechtes Wetteifern um Reservierungen in den besten Restaurants der Stadt als auch um den Aspekt, welcher Yuppie denn nun die besten und teuersten Visitenkarten besitzt. Neid und Missgunst stehen auf der Tagesordnung und die banalsten Dinge dienen als Auslöser für grenzenlose Wut, die sich vor allem bei Bateman auf eine ganz bestimmte Art und Weise entladen soll. Der blasierte und affektierte Schönling betreibt nämlich den Serienmord als sein liebstes Hobby und schickt im Laufe der Zeit so manche Person ziemlich unsanft über den Jordan. Wer jetzt allerdings auf explizite visuelle Gewaltdarstellungen hofft sieht sich im Irrtum, denn in dieser Beziehung hat "American Psycho" im Prinzip gar nichts zu bieten. Die jeweiligen Greueltaten des Hauptcharakters werden nämlich lediglich angedeutet und durch einige Blutspritzer zusätzlich untermauert. Das macht aber gar nichts, denn hätte man die ganzen Morde brutal und blutig in Szene gesetzt, hätte das diesem Film viel von seiner ureigensten Stärke genommen. Und diese definiert sich keinesfalls über einen hohen Härtegrad, sondern vielmehr über das herausragende Schauspiel eines Christian Bale, dem die Rolle nahezu auf den Leib geschneidert ist. Dennoch wirkt das Geschehen nachhaltig im Kopf des Betrachters nach, denn durch die Andeutungen der verschiedenen Taten setzt sich ganz automatisch das typische Kopfkino frei und setzt eine immense Gewaltspirale in Gang.

In Kombination mit der teils skurrilen Situationskomik ergibt das eine nicht alltägliche Kombination, die letztendlich zu einem grandios guten Gesamteindruck führt. Neben dem überragenden Hauptdarsteller wirken sämtliche anderen Protagonisten lediglich wie notwendige Statisten, selbst eine Größe wie Willem Dafoe verblasst im Glanz von Bale. Dessen Omnipräsenz ist dermaßen überragend, das man sich ganz automatisch und fast ausschließlich auf ihn fokussiert. Mary Harron hat ihre Erzählung voll und ganz auf ihre Hauptfigur zugeschnitten und das ist auch gut so, denn der gute Herr Bale trägt diesen fantastischen Film im Prinzip im Alleingang. Wenn man es nicht besser wüsste würde man denken, das es sich bei seiner Darstellung um eine Interpretation seiner selbst handelt, denn eher selten bekommt man einen Darsteller zu Gesicht, der so unglaublich gut in seiner Rolle aufgeht. Dabei bedient Bale wirklich sämtliche Klischees und ist so nahezu das Paradebeispiel eines aalglatten Vorzeige-Yuppies, dem Oberflächlichkeit und Belanglosigkeiten die obersten Güter in einem trostlosen Leben sind. Das Ganze wird selbstverständlich völlig überspitzt und mit einer ordentlichen Portion rabenschwarzen Humors ins Bild gesetzt, dennoch erinnert einen die Szenerie doch durchaus auch an das reale Leben eines Menschen, der ständig auf der Suche nach Anerkennung und künstlichem Erfolg ist. Der satirische Einschlag des Filmes ist unmöglich zu übersehen und verleiht dem Szenario eine ganz besondere Note. Dennoch kommen auch die Elemente des Thrillers und der Serienkiller-Thematik keinesfalls zu kurz, so das sich im Endeffekt ein rundum gelungenes Gesamtpaket offenbart.

"American Psycho" hat sich im Laufe der Jahre nicht umsonst eine Art Kultstatus erarbeitet und dürfte auch gleichzeitig das Sprungbrett für Christian Bale in seine daraufhin folgende Karriere darstellen. Denn obwohl der charismatische Schauspieler bis dahin schon in etlichen Produktionen mitgewirkt hat, hielt sich sein Bekanntheitsgrad noch in einem überschaubaren Rahmen. Mit der hier an den Tag gelegten überragenden Performance hat sich das aber schlagartig geändert und der Name ist aus Hollywood kaum mehr weg zu denken. Für mich persönlich handelt es sich bei "American Psycho" um ein echtes Meisterwerk, das einen auch heute noch immer wieder in seinen Bann zieht. Die kranke Grundstimmung der hier gezeigten Scheinwelt ist ein echtes Brett und über das dargebrachte Schauspiel braucht man kein weiteres Wort zu verlieren.


Fazit:


Ein hervorstechender Hauptdarsteller in einer kranken und emotionslosen Scheinwelt sind die ganz großen Stärken eines Filmes, der in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte. Das gerade erschienene Mediabook von Koch Media kommt in gewohnt toller Qualität daher und beinhaltet erstmalig auch die Unrated Version des Filmes. Auch wenn es sich dabei nur um zusätzliche 17 Sekunden Filmmaterial handelt erscheint eine Anschaffung lohnenswert, denn dieses filmische Glanzstück sollte man doch in seiner längsten Fassung besitzen.


10/10

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