Psycho

horror1966
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Psycho

Beitragvon horror1966 » Mi Jun 28, 2017 7:42 pm

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Psycho
(Psycho)
mit Anthony Perkins, Vera Miles, Janet Leigh, John Gavin, Martin Balsam, John McIntire, Simon Oakland, Vaughn Taylor, Lurene Tuttle, Alfred Hitchcock, Patricia Hitchcock, Frank Albertson
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano / Robert Bloch (Roman)
Kamera: John L. Russell
Musik: Bernard Herrmann
FSK 16
USA / 1960

Die junge Marion unterschlägt 40.000 Dollar. Auf ihrer Flucht gelangt sie nachts an das, abseits der Straße gelegene "Bates Motel", das von dem schüchternen Norman Bates und seiner herrschsüchtigen Mutter geleitet wird. Aber Marions Versteck ist ein Haus der Angst und des Wahnsinns....


Nur zu oft geht man manchmal mit dem Begriff Meilenstein der Filmgeschichte etwas zu inflationär um und drückt damit viel eher die eigene Sichtweise oder gar Wunschdenken aus. Doch wenn ein Film dies Bezeichnung absolut uneingeschränkt verdient, dann ist es Hitchcock's Meisterwerk "Psycho", der nicht nur starken Einfluss auf später folgende Horrorfilme nahm, sondern ganz allgemein als absolutes Juwel der Filmgeschichte bezeichnet werden kann. Der Meister des Suspense hat mit diesem auf dem Roman von Robert Bloch basierendem Film zur damaligen Zeit eine ganze Welle an Empörung nach sich gezogen, Teile der katholischen Kirche wollten das Werk sogar verbieten lassen. Und zugegebenermaßen mag die Geschichte gerade zu Beginn der 60er Jahre extrem provokant gewirkt haben, beinhaltet sie doch vor allem für damalige Verhältnisse etliche sexuelle Anspielungen, die in Wort und Bild dargestellt werden. Hierfür stehen allein schon die Eröffnungssequenz, in der Marion mit ihrem Geliebten leicht bekleidet auf dem Bett liegt, aber wohl hauptsächlich die weltberühmte Duschszene, die wohl eine der bekanntesten Filmszenen überhaupt darstellt. Bei dieser Sequenz kommt dann auch insbesondere der Einfluss auf den späteren Slasher-Film zum Ausdruck, sind doch die eigentlichen Wurzeln ganz klar in diesem Film zu finden.

Weiterhin ist es insbesondere die Figur des Norman Bates, die nicht nur eine der großen Stärken dieses Meisterwerkes darstellt, sondern auch den damals noch jungen Anthony Perkins weltberühmt machte. Seine Darstellung des zwiegespaltenen Mannes ist wohl bis in die heutige Zeit hinein der Inbegriff des psychisch kranken Menschen. Das Schauspiel von Perkins kann man dabei nur als absolut brillant bezeichnen und selbst nach nunmehr über 50 Jahren jagt dem Zuschauer immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken, wenn man an diese geniale Performance denkt. Neben diesen ganzen grundlegenden Höhepunkte des Filmes ist es vor allem die ganzzeitig vorherrschende Atmosphäre, die eine bei jeder erneuten Sichtung erneut in ihren Bann zieht. ganz egal wie oft man den Film schon gesehen hat, man kann sich dieser einzigartigen Grundstimmung beim besten Willen nicht entziehen. Hier kommt es "Psycho" auch noch extrem zu Gute, das die Geschichte damals noch in s/w abgedreht wurde, was das gesamte Geschehen noch viel bedrohlicher-und extrem düster erscheinen lässt. Schon der Blick auf das hinter dem Motel aufragende Wohnhaus lässt den Betrachter immer wieder erschauern und für kein Geld der Welt möchte man auch nur einen Fuß in diese Wohnstätte setzen.

Das während der gesamten Laufzeit ein äusserst straff gezogener Spannungsbogen die Geschichte begleitet, muss man nicht explizit erwähnen, denn jeder, der diesen Film schon einmal gesehen hat wird die schweissnassen Hände nie vergessen, die einen die gesamte Laufzeit über begleiten. Der perfekt gewählte Score von Bernard Herrmann tut sein Übriges, um das gruselige Geschehen noch stärker zu intensivieren, so das alle Komponenten zusammengenommen ein perfektes Seherlebnis präsentieren, das man nie wieder vergessen wird. Hitchcock hat mit diesem Film wirklich einen Eckpfeiler in seiner eigenen Filmografie aufgestellt, in der es vor Highlights nun wirklich nur so wimmelt. Für mich persönlich handelt es sich dabei um sein absolut bestes Werk, denn kaum ein Film hat einen so bleibenden Eindruck in meinem Gedächtnis hinterlassen, wie es bei "Psycho" der Fall ist. Das Gesamtwerk ist ganz einfach geradezu revolutionär, was man aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr ganz nachvollziehen kann. Jedoch sollte man die Entstehungszeit des Werkes nicht ausser acht lassen, wurden hier doch gerade für den Beginn der 60er Jahre echte Tabu-Themen aufgegriffen. Dabei ist es vollkommen egal, ob man sich dabei auf die sexuellen Anspielungen, die neuartigen Slasher-Elemente oder die Krankheitsgeschichte des Norman Bates bezieht. Vor 50 Jahren ist man mit diesen Themen nicht ansatzweise so locker umgegangen, wie es heute der Fall ist.

Im Endeffekt handelt es sich hier um einen wirklichen Meilenstein der Filmgeschichte, der nicht umsonst absoluten Kultstatus besitzt. Für manch einen mag die Geschichte aus heutiger Sicht eventuell angestaubt und etwas antiquiert erscheinen, jedoch sollte man dieses Meisterwerk nicht an seinem Härtegrad messen, sondern als ein Stück revolutionierende Filmgeschichte, an dem sich viele Regisseure bei der Gestaltung ihrer Filme orientiert haben. Das 1998 erschienene Remake dieses Klassikers sollte man sich allerdings besser ersparen und das nicht nur, weil es sich um eine sehr schlechte 1:1 Kopie handelt. Denn vor allem im darstellerischen bereich wird man dort eine ganz herbe Enttäuschung erleben, was sich in erster Linie in der Performance eines Vince Vaughn niederschlägt, der in der Rolle des Norman Bates vielmehr wie eine groteske Witzfigur erscheint, als das er der Figur Authetinzität und Glaubwürdigkeit verleihen würde. Zum Ende sollte noch erwähnt werden, das dieser geniale Film nur in der geschnittenen Form auf DVD erhältlich ist und dieser traurige Umstand bezieht sich nicht nur auf Deutschland. Dabei lief "Psycho" erstaunlicherweise mehrere Male ungeschnitten im Free-Tv, doch auch diese Zeiten sind mittlerweile vorbei. So bleibt die Hoffnung auf eine ungeschnittene Version auf DVD wohl eher nur ein Wunschtraum und man muss sich mit der restaurierten Cut-Fassung zufrieden geben.


Fazit:


Auch nach weiteren 50 Jahren wird dieser Film sein Publikum immer noch begeistern-und faszinieren, denn "Psycho" zählt ganz sicher zu den filmischen Werken, die nie an Reiz-und Faszination verlieren. Hier handelt es sich um eine große Hinterlassenschaft eines brillanten Regisseurs, der sich allein schon aufgrund dieser Produktion nahezu unsterblich gemacht hat und vor dem man sich in Gedanken nur ehrfurchtsvoll verneigen kann.


10/10

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