The Editor

horror1966
Beiträge: 277
Registriert: Di Feb 02, 2016 5:47 pm

The Editor

Beitragvon horror1966 » So Jul 16, 2017 5:06 pm

Bild




The Editor
(The Editor)
mit Paz de la Huerta, Adam Brooks, Matthew Kennedy, Conor Sweeney, Udo Kier, Laurence R. Harvey, Jerry Wasserman, Samantha Hill, Kevin Anderson, Brett Donahue, Tristan Risk
Regie: Adam Brooks / Matthew Kennedy
Drehbuch: Adam Brooks / Matthew Kennedy / Conor Sweeney
Kamera: Adam Brooks / Matthew Kennedy / Jon'Nathon Stebbe
Musik: Jeremy Gillespie / Norman Orenstein / u.A.
FSK 16
Kanada / 2014

Rey Ciso war einst der berühmteste Film-Cutter der Welt, aber seit einem Unfall, bei dem er vier Finger verlor, muss er sich mit dem Schneiden von billigen B-Movies über Wasser halten. Als mehrere Darsteller aus seinem neuesten Film auf grausame Weise ermordet werden, gerät der verschlossene "Editor" schnell zum Hauptverdächtigen. Während sich die Leichen weiter stapeln, versucht Rey verzweifelt seine Unschuld zu beweisen und wird immer mehr in ein finsteres Geheimnis gezogen, das hinter den Kulissen lauert.


Das Subgenre des Giallo erfreut sich auch in der heutigen Zeit noch immer einer ziemlich großen Fangemeinde, obwohl die Blütezeiten dieser Filmart in längst vergangenen Jahrzehnten zu suchen ist. Umso schöner ist der Umstand das in regelmäßigen Abständen immer wieder einmal der ein oder andere Neo-Giallo den Weg zu uns findet, wobei der vorliegende Vertreter "The Editor" nicht unbedingt in diese Kategorie einzuordnen ist. Handelt es sich bei dieser kanadischen Produktion aus dem Jahr 2014 viel eher um eine Hommage auf das Subgenre und diverse Regisseure, denn ganz eindeutig sind Ehrerbietungen an Größen wie Argento, Bava, Fulci und Co. unübersehbar, wobei stellenweise sogar fast schon diverse 1:1 Kopien gewisser Szenen aus mehreren Filmen der Altmeister zum Besten gegeben werden. Als Liebhaber erkennt man dann auch die Anlehnungen an Filme wie beispielsweise "Murder Rock", "The New York Ripper" und sogar "Das Haus an der Friedhofmaier", wobei das nur drei von mehreren Beispielen sind. Das Regie - Duo Adam Brooks und Matthew Kennedy haben aber nicht nur eine gelungene Hommage auf den Weg gebracht, denn gleichzeitig ist ihr Film auch eine Parodie auf das gesamte Genre, das "The Editor" auf eine äußerst charmante Art und Weise auf die Schippe nimmt.

Der Beitrag nimmt sich selbst größtenteils nicht allzu ernst und wendet diesen Aspekt auch beim Gialli im Allgemeinen an. Hauptsächlich verantwortlich dafür sind ganz sicher einige Vertreter aus den späten 80er Jahren, denn als es mit dem Genre immer weiter bergab ging, nahm gleichzeitig auch die Qualität der einzelnen Filme immer weiter ab. Löchrige Geschichten, unfreiwillige Komik und stellenweise mangelnde Logik waren die Folge und so bekam man so manch skurrilen Beitrag zu sehen. Diese Seite des Subgenres findet in "The Editor" einen fast schon enormen Stellenwert und so ergibt sich dann letztendlich eine absolut gelungene Mixtur aus Ernsthaftigkeit und viel Spaß, an der man seine helle Freude haben kann. Rein inhaltlich hat die Erzählung nicht wirklich viel zu bieten und ehrlich gesagt offenbart sich stellenweise sogar ein relativ konfuses Konstrukt einer Geschichte, die allerdings ganz bewusst so in Szene gesetzt wurde. Um das Ganze für den Zuschauer noch etwas wirrer zu machen hat man diverse Mystery Elemente mit eingefügt, die das Szenario phasenweise wie einen wilden Drogentrip erscheinen lassen. Das erinnert dann fast schon an einen Film wie "Das Geheimnis des magischen Kreises" aus dem Jahr 1975, der ganz bestimmt nicht zu den besten Vertretern seiner Art zu zählen ist und im Bezug auf Verwirrungen beim Zuschauer als auch im Bezug auf mangelnde Logik ein wahres Paradebeispiel darstellen dürfte. War das damals beim genannten Titel noch als großes Manko auszumachen, so spielt es in vorliegendem Fall überhaupt keine Rolle. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn dadurch wird der Unterhaltungswert der dünnen Story doch ganz ungemein aufgewertet, da man dieses Stilmittel mit voller Absicht eingesetzt hat.

So gerät der Inhalt mit zunehmender Laufzeit auch immer mehr in den Hintergrund und man erfreut sich vielmehr an den unzähligen offensichtlichen Anspielungen an andere Filme und deren Regisseure, sowie an unzählige Kuriositäten, die mit unglaublich viel Charme und Liebreiz ins Bild gesetzt wurden. Ein Highlight dürfte dabei wohl die Figur des ermittelnden Inspectors sein, der rein optisch wie der junge Donald Sutherland in "Die Körperfresser kommen" daher kommt. Die Zeichnung seiner Figur ist phasenweise urkomisch, was durch unendlich viele und kaum nachvollziehbare Handlungen zusätzlich untermalt wird. Ganz generell kann man das allerdings auf alle Protagonisten ummünzen, denn durch die Bank wurden sämtliche Charaktere völlig überspitzt und skurril in Szene gesetzt. Für Freunde des Subgenres gibt es also die volle Dröhnung, allerdings sollte man sich bei den Gialli schon ein wenig auskennen, da ansonsten die ein oder andere Pointe keinesfalls zünden dürfte. Doch selbst in diesem Fall sollte man durchaus einen Blick riskieren, denn "The Editor" hat auch in Sachen Härtegrad eine ganze Menge zu bieten. Füreine 16er Freigabe beinhaltet der Film nämlich so manch derbe und blutige Einstellung, was auch den Freund der härteren Gangart erfreuen dürfte.

In der Summe sollte man also keinesfalls einen handelsüblichen Vertreter seiner Art erwarten, sondern vielmehr eine äußerst gelungene Kombination aus den guten und den schlechten Seiten des Genres. "The Editor" ist einerseits eine absolute Huldigung und stellt andererseits ein fast perfekte Parodie auf eine Filmart dar, die sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Mir persönlich hat dieser Beitrag ausnehmend gut gefallen und man muss den Machern Adam Brooks / Matthew Kennedy ein dickes Kompliment aussprechen, da ihre Hommage an ein lange Zeit in Vergessenheit geratenes Subgenre absolut gelungen ist.


Fazit:


Sehr viel Spaß, herrlich blutige Szenen und teilweise ein wahres Sammelsurium an Absurditäten sind die absoluten Markenzeichen dieser kanadischen Produktion. Drei Jahre nach seinem Erscheinen ist "The Editor" nun endlich auch bei uns auf Scheibe erschienen und man sollte sich dieses sehr unterhaltsame Filmchen keinesfalls entgehen lassen.


8/10

Zurück zu „Horror, Splatter, Gore, Thriller“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast