Pans Labyrinth

horror1966
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Pans Labyrinth

Beitragvon horror1966 » Fr Mai 26, 2017 1:47 pm

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Pans Labyrinth
(El Laberinto del Fauno)
mit Ivana Baquero, Doug Jones, Sergi López, Ariadna Gil, Maribel Verdú, Álex Angulo, Roger Casamajor, Sebastián Haro, Mina Lira, Federico Luppi, Ivan Massagué, Chema Ruiz
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro
Kamera: Guillermo Navarro
Musik: Javier Navarrete
FSK 16
Mexico / Spanien / USA / 2006

"Pans Labyrinth" ist die Geschichte der kleinen Ofélia, die mit ihrer Mutter zum Stiefvater, einem hochrangigen Militäroffizier, in eine ländliche Gegend Nordspaniens ziehen muss. Durch die Brutalität und Unberechenbarkeit des Stiefvaters tief erschüttert, findet Ofélia Zuflucht in einer Fantasiewelt, die von wundersamen, schaurigen und mythischen Fabelwesen, wie dem geheimnisvollen PAN, bevölkert ist. Sie hat nur eine Chance, in diesem neu erschaffenen Kosmos zu bestehen: Sie muss sich ihren tiefsten Ängsten und schlimmsten Träumen stellen.


Es gibt immer wieder Filme die man ein zweites Mal gesehen haben muss, um ihre ganze Faszination richtig zu erkennen und diese auch auf sich wirken zu lassen. "Pans Labyrinth" gehört für mich persönlich ganz eindeutig in diese Kategorie, konnte ich doch bei der ersten Sichtung bis auf die fantastischen Spezial-Effekte nichts besonderes an diesem Werk feststellen. Die Geschichte an sich ging eigentlich vollkommen an mir vorbei, was sicherlich auch daran gelegen haben mag, das ich den Film zusammen mit mehreren Leuten gesehen habe und so durch einige Gespräche zwischendurch nicht den richtigen Zugang zu den Geschehnissen gefunden habe. Nach der zweiten Sichtung muss ich nun wirklich Abbitte leisten, denn Guillermo del Torro hat hier wirklich ein fantastisches Meisterwerk geschaffen, das zwar in der Regel immer wieder als Märchen für Erwachsene bezeichnet wird, aber vielmehr eine extrem gelungene Kombination aus der Härte des Lebens-und einer eher angedeuteten Fantasy Welt darstellt. Angedeutet deshalb, weil der Film längst nicht den Fantasy-Anteil beinhaltet, den sich so manch einer eventuell erhofft hat, aber gerade der Aspekt das in vorliegendem Fall brutale Härte und wunderschöne Bilder ineinander übergehen, verleiht "Pans Labyrinth" eine so schaurig-schöne Note, das einem bei diversen Momenten fast die Tränen in die Augen steigen.

Dabei wird der Zuschauer durch ein ständig anhaltendes Wechselbad der Gefühle gejagt, offenbaren sich doch einerseits die teils recht hart dargestellten Passagen eines Bürgerkrieges in Spanien unter dem Franco-Regime und andererseits wird man mit einer Fantasy-Welt konfrontiert, in der Elfen und Fantasie-Wesen in den Vordergrund treten. Ist es doch insbesondere dieser enorme Kontrast, der dieser Geschichte ihre Kraft, Brutalität, aber auch ihre faszinierende Schönheit verleiht, so das man phasenweise fast schon in Verzückung gerät. Für beide Seiten der Story steht im Prinzip jeweils eine Hauptfigur, so wird die teils schon brachiale und gnadenlose Härte durch den Hauptmann Vidal ins Spiel gebracht, der gleichzeitig der Stiefvater der kleinen Ofelia ist, die widerum für die schönen und fast schon poetischen Momente verantwortlich zeichnet. Während Vidal einen brutalen-und absolut gnadenlosen Kampf gegen die Rebellen führt, begibt sich Ofelia immer wieder in ein Reich der Fantasie, das äusserst bildgewaltig und visuell extrem beeindruckend dargestellt wird. Ganz generell ist es hier die visuelle Kraft der Bilder, die einerseits eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer ausüben, andererseits aber auch Hoffnungslosigkeit und totale Tristesse ausdrücken, was einmal mehr das emotionale Wechselbad zum Ausdruck bringt, dem man hier ganzzeitig ausgesetzt ist. Ganz besonders die Phasen des Filmes, in denen es sich um den vorherrschenden Bürgerkrieg dreht, sind von einer enormen Kälte und Härte durchzogen, die ein äusserst beklemmendes Gefühl aufkommen lässt von dem man sich zu keiner Zeit befreien kann.

Ständiger Dauerregen und die enorme Brutalität des Hauptmanns schlagen einem dabei regelrecht auf das Gemüt und lassen sogar eine fast depressive Stimmung aufkommen, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern legt. Durch die blassen Farbfilter wird dabei ein Szenario gezeigt, das kaum trostloser hätte gestaltet werden können. Und dann sind da die immer wieder im Wechsel auftretenden Bilder, die einen aus der Tristesse herausreissen und so etwas wie einen Hoffnungsschimmer am Horizont aufkommen lassen, an den man sich wie ein Ertrinkender klammert und aus dem man wieder neue Kraft schöpfen kann. Der ständige Wechsel dieser beiden Erzählstränge ist das ganz besondere an diesem Film, bei dem man anscheinend ganz bewust darauf verzichtet hat, zu sehr in den Fantasy-Bereich abzudriften, was dem Gesamtwerk äusserst zu Gute kommt. Verliert man doch zu keiner Zeit aus den Augen, das del Torro sein hauptaugenmerk ganz eindeutig auf den Aspekt gelegt hat, das es lediglich darauf ankommt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch in diesem Punkt stehen sich wieder die beiden Hauptfiguren gegenüber, wobei der arrogante-und selbstherrliche Vidal ganz sicher nicht die Person ist, die dazu in der Lage ist richtige Entscheidungen zu treffen. Vielmehr ist es das Mädchen Ofelia, die trotz ihres jungen Alters eine immer stärker in den Vordergrund rückende Verwandlung durchmacht und in dieser innerhalb kürzester Zeit zu einer verantwortungsvollen Person heranreift, die ihre Entscheidungen mit allen verbundenen Konsequenzen abzuwägen weiss.

Dies kommt insbesondere zum Ende hin extrem gut zur Geltung, denn beide Haupt-Charaktere werden auf die ein oder andere Art für ihre Entscheidungen zur Verantwortung gezogen. Und obwohl es zuerst den Anschein hat das diese brutale, aber auch wundervolle Geschichte in einer Tragödie endet, wird man letztendlich mit einem wohligen Schauer aus dem Geschehen entlassen, das auch noch einmal einen visuellen Höhepunkt liefert, den man letztendlich nur als traumhaft schön bezeichnen kann. "Pans Labyrinth" ist ohne Übertreibung ein visuelles Meisterwerk, das Schönheit, Faszination, Abscheu und brutale Härte auf eine Art und Weise miteinander verbindet, die einem immer wieder kalte Schauer über den Rücken laufen lässt. Die absolute Brillanz, mit der Guillermo del Torro hier ein Bürgerkriegs-Szenario mit einer fantastischen Märchenwelt verbunden hat, ist absolut einzigartig und zieht den Betrachter immer wieder aus der rauhen Realität in eine Welt voller wundersamer Geschöpfe, so das man letztendlich doch schon fast von einem Märchen für Erwachsene sprechen kann. Auf jeden Fall aber ist hier ein Film entstanden, der mit einer ganzzeitig spannenden und bildgewaltigen Geschichte aufwartet und in der sich äusserst harte-und dann wieder wunderschöne Momente in einer absoluten Regelmäßigkeit abwechseln. Fantastische Speziel-Effekte und eine ständig wechselnde Grundstimmung der Geschehnisse machen dieses Meisterwerk zu etwas ganz Besonderem, das sich kein wirklicher Filmliebhaber entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Pans Labyrinth" ist ein absolut außergewöhnlicher-und visuell beeindruckender Filmgenuss, der trotz der vorhandenen Härte vielmehr durch seine schönen Momente überzeugen kann. Knapp 2 Stunden erstklassige Unterhaltung, die noch nicht einmal den Ansatz von langatmigkeit aufkommen lässt und zudem mit erstklassigen Schauspielern besetzt ist, die dem Werk ganz unweigerlich ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Die Vermischung verschiedenster Genres sind die absolute Stärke eines Filmes, auf den man sich wirklich einlassen muss, um auch die ganze Wucht und Kraft spüren zu können die von dem fantastisch umgesetzten Szenario ausgeht, das seine Wirkung auf den Zuschauer zu keiner Zeit verfehlt.


10/10

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