Criminal Activities

horror1966
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Criminal Activities

Beitragvon horror1966 » Do Jul 07, 2016 2:28 pm

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Criminal Activities
(Criminal Activities)
mit Michael Pitt, Dan Stevens, Christopher Abbott, Rob Brown, Edi Gathegi, Jackie Earle Haley, John Travolta, Morgan Wolk, Travis Aaron Wade, Alan B. Jones, Chris Haley, Christopher Jay Gresham, Bobby C. King
Regie: Jackie Earle Haley
Drehbuch: Robert Lowell
Kamera: Seamus Tierney
Musik: Keefus Ciancia
FSK 16
USA / 2015

Ausgerechnet die Beerdigung eines gemeinsamen Freundes bietet vier ehemaligen Klassenkameraden die Aussicht auf das Geschäft ihres Lebens: Dank eines Insidertipps wollen Zach, Warren, Bryce und Noah aus 200.000 geliehenen Dollar an der Börse das große Geld machen. Eine glatte Fehlinvestition, wie sich bald herausstellt, an deren Ende sie tief bei Gangster Eddie in der Kreide stehen. Jetzt müssen die vier Freunde in kürzester Zeit das Geld aufbringen, wenn sie nicht mit dem Leben bezahlen wollen, und lassen sich auf einen möglicherweise lebensgefährlichen Deal ein.


Bisher kannte man Jackie Earle Haley lediglich als Darsteller aus der zweiten Reihe, der in Filmen wie beispielsweise "Watchmen", "Shutter Island" oder "RoboCop (2014)" in diversen Nebenrollen zu sehen war. Zudem verkörperte der gute Mann auch die Horror Ikone Freddy Krueger in der 2010er Neuauflage des Klassikers "A Nightmare on Elm Street", was ihm aber aufgrund der eher schlechten Kritiken zum Remake nicht unbedingt einen viel höheren Bekanntheitsgrad bescherte. Nun legt Haley mit "Criminal Activities" seinen ersten Beitrag als Regisseur vor und versucht dabei sichtlich, auf den Pfaden eines Quentin Tarantinos zu wandeln. Diese Meinung wird zumindest in diversen Pressenotizen vermittelt, in denen das Werk mit Filmen von Guy Ritchie und eben Tarantino verglichen wird und stellenweise sogar als der neue "Pulp Fiction" angepriesen wird. Stellenweise lassen sich dann auch durchaus einige Ähnlichkeiten erkennen, denn Haley versucht auf jeden Fall, dem Zuschauer eine lässige Mixtur aus Gangsterfilm und Heist Komödie zu offerieren. Allerdings hinkt der Vergleich mit Tarantinos Meisterwerk doch ganz gewaltig, denn trotz des spürbaren Bemühens gelingt es dem Regisseur nur phasenweise, seine Geschichte mit der nötigen Coolness und Lässigkeit auszustatten.

Dabei ist es Haley selbst, der hier neben der Regie auch noch durch eine von ihm dargestellte Nebenrolle am ehesten ein wenig Tarantino-Flair verbreiten kann, denn die Figur des von ihm gespielten Auftragskillers hätte man auch gut und gern in mehreren Beiträgen des guten Quentin einbauen können. Ansonsten erscheint die enthaltene Coolness des Filmes aber in diversen Passagen ein wenig erzwungen, was meiner persönlichen Meinung nach an den agierenden Schauspielern liegt. John Travolta und Jackie Earle Haley möchte ich dabei einmal außen vor lassen, denn die beiden Herren treten äußerst routiniert und gut auf, wobei beide aber nicht über den Status einer etwas größeren Nebenrolle hinaus kommen. Das Problem liegt vielmehr bei den Haupt Charakteren der Story, die zumindest streckenweise etwas blass und viel zu unscheinbar erscheinen. Damit wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen möchte ich betonen, das man die an den Tag gelegten Performances zwar durchaus als solide und gelungen bezeichnen kann, aber wenn man diesen Film schon in schier unerreichbare Fußstapfen eines "Pulp Fiction" stecken will, dann ist das Schauspiel der Akteure doch ein klein wenig farblos.

Nichtsdestotrotz handelt es sich an dieser Stelle aber um ein wirklich gutes Regiedebüt, das lediglich im Mittelteil der Erzählung kleinere Schwächen erkennen lässt. Nachdem man dem Zuschauer nämlich eine gelungene Einführung serviert hat dauert es doch eine geraume Zeit lang, bevor sich der Plot weiter entwickelt. In dieser Zeitspanne bekommt man lediglich diverse Buddy Dialoge geboten, die rein von der Qualität her einfach nicht ausreichen, um durchgehend gute und kurzweilige Unterhaltung anzubieten. In dieser Phase hätte der Regisseur eine Menge mehr heraus holen können, doch anscheinend hat Mr. Haley sein Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf den Schlussakkord seiner Erzählung gelegt. Und dieser kann sich dann auch verdammt gut sehen lassen, ist er doch mit einer echten Überraschung und eine mehr als gelungenen Wendung des Ganzen ausgestattet worden. Dem Betrachter präsentiert sich nämlich ein wahrer Überraschungseffekt den man nicht vorhersehen konnte und der gleichzeitig auch die bis dahin stattfindenden Ereignisse in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Das entschädigt durchaus für den etwas langatmigen Mittelteil und rundet die Geschichte letztendlich stimmig ab.

Letztendlich handelt es sich bei "Criminal Activities" insgesamt um ein überdurchschnittlich gutes Erstlingswerk, das aber keinesfalls frei von kleineren Schwächen ist. Mir persönlich hat die Story sehr gut gefallen, wobei manch einer die vorliegenden Defizite eventuell ein wenig stärker gewichten wird. Wie dem auch sei, wenn man einmal den überflüssigen Vergleich zu Tarantinos "Pulp Fiction" an die Seite schiebt, dann bekommt man hier absolut sehenswerte Genrekost serviert. Jackie Earle Haley stellt auf jeden Fall unter Beweis das er über das Potential verfügt, sich unter den unzähligen Regisseuren einen Namen zu machen. Das nötige Feingefühl zur Ausschöpfung des vollen Potentials einer Geschichte fehlt dabei vielleicht noch ein bisschen, allerdings kann man berechtigt darauf hoffen, das dieser Makel behoben werden kann.


Fazit:


Ein guter Einstieg, ein etwas langatmiger Mittelteil und ein äußerst gelungenes Finale deuten darauf hin, das es einem Film wie "Criminal Activities" ein wenig an der nötigen Ausgewogenheit mangelt. Dennoch handelt es sich um einen absolut sehenswerten Film der auf jeden Fall das Potential eines Regisseurs andeutet, von dem man in den nächsten Jahren hoffentlich noch mehr sehen wird.


7/10

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