Donnie Brasco

horror1966
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Donnie Brasco

Beitragvon horror1966 » Mo Okt 24, 2016 5:36 pm

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Donnie Brasco
(Donnie Brasco)
mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, Bruno Kirby, James Russo, Anne Heche, Zeljko Ivanek, Gerry Becker, Robert Miano, Brian Tarantina, Rocco Sisto, Zach Grenier, Walt MacPherson, Ronnie Farer, Terry Serpico
Regie: Mike Newell
Drehbuch: Joseph D. Pistone / Richard Woodley / Paul Attanasio
Kamera: Peter Sova
Musik: Patrick Doyle
FSK 16
USA / 1997

FBI-Spitzenmann Joe Pistone schleust sich als Undercover-Agent Donnie Brasco in die Mafia ein. Vier Jahre liefert er - völlig auf sich und seine Fähigkeiten angewiesen und unter ständiger Lebensgefahr - dem FBI wichtige Informationen über den Gangster-Clan, um die Bande für immer zu zerschlagen. Immer tiefer und tiefer gerät Donnie in den Sog der Kriminalität. Schließlich wird er zur rechten Hand des berüchtigten Mafioso Lefty Ruggiero, dessen Vertrauen und Freundschaft er gewinnen kann. Als den Gangstern klar wird, daß in ihren Reihen ein Verräter sitzt, bleibt Donnie Brasco nur noch eine Chance. Auf der Flucht vor den skrupellosen Killern der Mafia, muss er Lefty dem FBI ans Messer liefern, bevor es ihm selber an den Kragen geht...


Wenn man einmal nach den besten Filmen eines Al Pacino oder Johnny Depp fragt, tritt dabei selten der Titel "Donnie Brasco" in der Aufzählung auf. Das ist meiner Meinung nach ein äußerst starkes Indiz dafür das der Film aus dem Jahr 1997 immer noch sehr stark unterschätzt wird, was aufgrund seiner vorhandenen Klasse nicht wirklich nachvollziehbar erscheint. Sicher, die vorliegende Geschichte beinhaltet eventuell nicht die Intensität anderer Werke mit Mafia-Thematik wie beispielsweise Coppola's Meisterwerk "Der Pate", was aber schlicht und ergreifend in der Tatsache begründet ist, das dieser Beitrag sein Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die beiden Hauptfiguren legt und sich somit etwas weniger um die Strukturen einer kriminellen Organisation kümmert. Die Story beruht auf einer wahren Begebenheit und basiert auf dem Buch des ehemaligen FBI.Agenten Joseph D. Pistone ( Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia). Geschildert wird die Undercover-Tätigkeit des verdeckten Ermittlers, wobei dem Zuschauer insbesondere die Wesensänderung des Menschen Pistone näher gebracht wird, die bei dem jahrelang geführten Doppelleben kaum ausbleiben konnte.

Regisseur Mike Newell bringt diesen vordergründigen Aspekt extrem gut an den Mann, was natürlich auch dem erstklassigen Schauspiel eines Johnny Depp geschuldet ist, der die Stärken und Schwächen des ehemaligen Star-Ermittlers sehr gut in Szene setzt. Ihm zur Seite steht kein geringerer als Al Pacino, der in der Rolle des eher unscheinbaren Lefty eine nicht minder grandiose Performance an den Tag legt. In gewisser Art und Weise verkörpert er perfekt einen sogenannten "Ritter der traurigen Gestalt", denn obwohl er seit gut 30 Jahren jegliche Drecksarbeit für die Familie erledigt, nimmt irgendwie niemand so richtig Notiz von ihm. Dieser Punkt wird während der gesamten Laufzeit äußerst gut heraus gearbeitet und obwohl Pacino den Part eines fast schon bemitleidenswerten Kriminellen zum Besten gibt, ist seine verkrachte Existenz einer der absoluten Höhepunkte des Filmes.

So ist man dann als Betrachter völlig auf das Zusammenspiel zwischen Depp und Pacino fixiert, das dieses Werk auch durchgehend trägt. Rassige Action-Passagen oder ein erhöhtes Tempo sucht man eher vergeblich, doch hätte das auch irgendwie das überragende Gesamtbild viel eher zerstört, als das es ihm zuträglich gewesen wäre. Ein nicht gerade geringer Anteil der Story beleuchtet dann auch fast zwangsläufig die Beziehung, die sich zwischen den beiden Hauptfiguren entwickelt und streckenweise hat es den Anschein, als wenn so etwas wie eine echte Freundschaft entstanden ist. Damit hat dann vor allem Pistone schwer zu kämpfen, da er am Ende eine Entscheidung treffen muss, die dem Ganzen einen leicht tragischen Anstrich verleiht.

Der zweite wesentliche Aspekt des Geschehens beschäftigt sich wie schon kurz erwähnt mit der charakterlichen Veränderung von Pistone, der im Laufe der Zeit immer mehr mit seiner Alias-Rolle Donnie Brasco verschmilzt. Dies äußerst sich insbesondere im Verhalten gegenüber seiner Familie, die er aufgrund seiner Tätigkeit so gut wie gar nicht sehen kann. Bei den wenigen und heimlichen Besuchen kommt es so auch zumeist zu Streitigkeiten mit seiner Ehefrau, die am eigenen Leib die Veränderungen an ihrem mann mitbekommt. Das Ganze wird eindrucksvoll bebildert und obwohl "Donnie Brasco" im Prinzip ein Film ohne visuell spektakuläre Höhepunkte ist, handelt es sich hier meiner ganz persönlichen Meinung nach um ein kleines Meisterwerk. Ich kann mich an keinen thematisch ähnlich gelagerten Film erinnern, in dem die Tätigkeit und die damit auftretenden Probleme eines Undercover-Ermittlers so intensiv und authentisch dargestellt wurden. Als Laie kann man sich dabei noch nicht einmal ansatzweise vorstellen, unter welchem immensen Druck solche Menschen stehen müssen, die doch jeden Tag der Gefahr ausgesetzt sind, das ihre wahre Identität ans Licht kommt. Man sollte "Donnie Brasco" vielleicht nicht unbedingt als reinen Mafia-Film ansehen, sondern vielmehr als tief gehende Beleuchtung über das Leben eines eingeschleusten Agenten und von dieser Warte aus gesehen gibt es für mich kein besseres Beispiel als den vorliegenden Film.


Fazit:


Trotz zweier grandios aufspielender Hauptdarsteller wird "Donnie Brasco" immer noch von vielen Leuten gnadenlos unterschätzt. Dabei beinhaltet dieses Werk eine enorme Klasse und bewegt sich auf einem äußerst hohen Niveau. Wie dem aber auch sei, ich persönlich kann dieses kleine Juwel nur jedem ans Herz legen, da man einen wirklich guten und tiefen Einblick in die Tätigkeit eines verdeckten Ermittlers erhält.


10/10

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