Die Brut des Bösen

horror1966
Beiträge: 296
Registriert: Di Feb 02, 2016 5:47 pm

Die Brut des Bösen

Beitragvon horror1966 » Do Feb 08, 2018 7:50 pm

Bild




Die Brut des Bösen
(Die Brut des Bösen)
mit Christian Anders, Maribel Martín, Dunja Rajter, Deep Roy, Fernando Bilbao, Ria Kemp, Wolfgang Schütte, José María Guía, Ichimi, Fernando Hilbeck, Carl Rapp
Regie: Christian Anders / Antonio Tarruella
Drehbuch: [Christian Anders/b]
Kamera: [b]Hans Burmann / Ricardo Navarrete

Musik: Christian Anders / José Luis Navarro
FSK 16
Deutschland / 1979

Der größenwahnsinnige Zwerg Van Bullock will der mächtigste Heroin-Händler der Welt werden und sich damit an seinem Schicksal rächen. Sein ihm sklavisch-ergebener Zwei-Meter-Leibwächter Komo macht für ihn die Schmutzarbeit. Aber dann kommt ihm der Karatemeister Frank ins Gehege...


Immer wieder trifft man auf Filme, die einem auch noch Jahrzehnte nach der Erstsichtung nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben. "Die Brut des Bösen" zählt ganz eindeutig zu diesen Exemplaren, kann man diese echte Trash-Granate doch ohne Weiteres als ein Stück filmisches Kulturgut aus deutschen Landen bezeichnen. Das wird aber sicher nicht jeder so sehen, denn zugegebenermaßen muss man schon eine gewisse Vorliebe für den schlechten Geschmack haben, ansonsten wird man nicht allzu viel mit dem teils abstrusen Treiben anfangen können. Die Bezeichnung Trash wird allein schon durch die Darstellerrige gerechtfertigt, denn mit Christian Anders und Dunja Rajter sind zwei Schlagerstars der 70er Jahre mit an Bord, so das man im Bezug auf das dargebrachte Schauspiel sicherlich keinerlei Wunderdinge erwarten darf. Der gute Herr Anders wurde zur damaligen Zeit auch des Öfteren als österreichischer Bruce Lee bezeichnet, weswegen die Thematik des vorliegenden Filmes auch nicht weiter verwundern dürfte. Neben der Hauptrolle in "Die Brut des Bösen" zeichnet Anders auch für die Regie, das Drehbuch und die Musik verantwortlich und war so ganz nebenbei auch gleichzeitig noch Stunt-Koordinator. So trägt die Produktion dann auch ganz unweigerlich seinen persönlichen Stempel und das Ganze ist völlig auf ihn zugeschnitten.

Das die Erzählung gewisse Ähnlichkeiten zu Filmen von Bruce Lee erkennen lässt dürfte keine wirkliche Überraschung sein, wobei sich diese allerdings ausschließlich in inhaltlicher Hinsicht zu erkennen geben. Bei den Kampf-Choreografien sollte der Zuschauer jedoch bitte keinerlei vergleiche Ziehen, denn obwohl Anders mit einem durchtrainierten und drahtigen Körper aufwarten kann, sind seine Kampfkünste keinesfalls mit denen von Mr. Lee zu vergleichen. Nichtsdestotrotz ist das Ganze extrem unterhaltsam, was allein schon durch diverse skurrile Figuren garantiert ist. In erster Linie denkt man da sofort an den fiesen Zwerg van Bullock und seinen hünenhaften Leibwächter Komo. Schon der optische Kontrast zwischen den beiden ist ein echter Brüller und die darstellerischen Leistungen tun ihr Übriges, um einem so manch herzhaften Lacher zu entlocken. Und von denen gibt es nicht gerade wenig, denn die hanebüchen umgesetzte Geschichte beinhaltet einen unvergleichlichen Charme, der diesem obskuren Machwerk förmlich aus jeder Pore tropft.

Es ist einfach herrlich sich diesen trashigen Schabernack anzuschauen, der im Laufe der Jahrzehnte rein gar nichts von seiner ganz eigenen Faszination eingebüßt hat. Die Akteure agieren größtenteils wie eine eher dilettantische Laienspielgruppe, was im vorliegenden Fall jedoch eher zuträglich als abträglich erscheint. So sind es insbesondere die aufgesetzte Ernsthaftigkeit und die teils dümmlichen Dialoge, die der Story einen unverwechselbaren Anstrich verleihen. Die ständig in Erscheinung tretende Theatralik der Charaktere ist ein weiteres Highlight, wobei sich in dieser Hinsicht ganz besonders der Hauptdarsteller hervor tut. Man spürt förmlich das Anders gern ernst genommen werden möchte, wohingegen seine Darstellung beim Betrachter eher genau das Gegenteil auslöst. Nun sind das im Prinzip alles Kritikpunkte die einen Film vernichten würden, aber bei "Die Brut des Bösen" kristallisieren sich diese ganzen Mankos als absolute Stärken heraus und verleihen dieser Produktion einen unglaublichen Liebreiz.

Dem Label Subkultur Entertainment ist es zu verdanken, das dieser trashige Kultfilm nun endlich auch seine Blu-ray und DVD Premiere gefeiert hat. Dabei kann man sowohl die jeweilige Einzel-Veröffentlichung sowie auch das schöne Digipak erwerben, wobei Letzteres neben der Kinoversion auch noch den um gut 12 Minuten längeren Extended Cut mit an Bord hat. Das heißt dann also noch einmal zusätzlich 12 Minuten Nonsens vom Feinsten, wobei die zusätzlichen Szenen deutsch untertitelt sind. Ganz egal für welche Kaufvariante man sich entscheidet, wer guten und unterhaltsamen Trash zu schätzen weiß, muss diesen deutschen Kultfilm definitiv in der heimischen Sammlung haben.


Fazit:


Man sollte keinesfalls den Fehler machen, "Die Brut des Bösen" mit den ansonsten üblichen Maßstäben zu messen. Hier gelten nämlich ganz andere Gesetze und die normalen Aspekte werden völlig außer Kraft gesetzt. Es zählt der reine Unterhaltungswert und diesen kann man dem Werk auf keinen Fall absprechen. Einzig und allein Christian Anders größter Hit "Es fährt ein Zug nach Nirgendwwo" hätte das skurrile Treiben noch weiter aufwerten können, aber man kann nun einmal nicht alles im Leben haben.


9/10 auf der nach oben hin offenen Trash-Skala

Zurück zu „Drama, Komödien, Sonstige Filme“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast