Twin Peaks 2017

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horror1966
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Twin Peaks 2017

Beitragvon horror1966 » Fr Apr 06, 2018 8:02 pm

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Twin Peaks
(Twin Peaks)
mit Kyle MacLachlan, Sheryl Lee, Michael Horse, Chrysta Bell, Miguel Ferrer, David Lynch, Robert Forster, Kimmy Robertson, Naomi Watts, Laura Dern, Pierce Gagnon
Regie: David Lynch
Drehbuch: Mark Frost / David Lynch
Kamera: Peter Deming
Musik: Angelo Badalamenti
FSK 16
USA / 2017

Im Rahmen des Twin Peaks-Revivals verschlägt es FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) erneut in eine Welt, in der Himmel und Hölle im Angesicht eines verheerenden Mordfalls und der dazugehörenden Ermittlungen aufeinander treffen. Schnell wird klar, dass auch dieses Mal nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, denn die Welt - und vor allem Twin Peaks - ist ein Ort voller Mysterien. Jeder Mensch hat ein düsteres Geheimnis zu verbergen, so auch Agent Cooper, der offenbar nicht ganz er selbst ist.


Die Freude unter den Fans war riesig als bekannt wurde, das die vielleicht beste Mystery-Serie aller Zeiten ihre Fortsetzung finden würde. Satte 25 Jahre hat es gedauert bis Regisseur David Lynch sein Prunkstück "Twin Peaks" in eine abschließende dritte Runde geschickt hat, um nun endlich die offen gebliebenen Fragen des Mysteriums zu klären. Das Ergebnis wird sicherlich nicht jedem gefallen, denn die neuen 18 Episoden verlaufen doch so vollkommen anders, als man es von den beiden bisherigen Staffeln gewohnt war. Lynch wollte etwas Neues erschaffen und hat dabei größtenteils Wege beschritten, die selbst für seine Verhältnisse etwas Besonderes darstellen. Das wird bestimmt nicht bei jedem auf die totale Gegenliebe stoßen, denn wer auf den unverwechselbaren Charme und das Flair der alten Folgen hofft wird sicherlich ein wenig enttäuscht sein. So dient das Städtchen Twin Peaks beispielsweise nicht mehr als Hauptschauplatz der Ereignisse und dient im Prinzip nur noch dazu, das ab und an kleinere Stippvisiten absolviert werden. Das ist schon recht gewöhnungsbedürftig und ebenso verhält es sich auch mit den einzelnen Figuren, die zur damaligen Zeit eines der absoluten Highlights der Serie dargestellt haben. Zwar ist bis auf wenige Ausnahmen alles mit an Bord und man kann so ein freudiges Wiedersehen mit den Lieblingen der damaligen Zeit feiern, aber der Stellenwert der jeweiligen Charaktere ist nur noch selten zu vernehmen. Bis auf Dale Cooper, Gordon Cole und Albert verfügt keine der beliebten Figuren über die nötigen Spielanteile, um sich beim Zuschauer nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Selbst Lucy und Andy hinterlassen nur noch den Eindruck von notwendiger Staffage und dieser Umstand ist dann insgesamt gesehen schon ein kleiner Wermutstropfen im gewonnenen Gesamtbild.

Lynch legt sein Hauptaugenmerk dieses Mal ganz eindeutig auf die surrealen Momente, von denen es an manchen Stellen sogar einige zu viel gibt. Besonders stark wird dies in der achten Episode bemerkbar, in der man über 50 Minuten lang mit Bildern konfrontiert wird, die man ohne Weiteres als völlige Reizüberflutung bezeichnen kann. An dieser Stelle ist es wirklich zu viel des Guten und man wird dabei auch das Gefühl nicht los, das man sich auf einem nicht enden wollenden Drogen-Trip befindet. Ganz generell ist "Twin Peaks 2017" mit teils wirren und surrealen Momenten regelrecht zugepflastert, was insbesondere in der ersten Hälfte des Formates nicht gerade zum besseren Verständnis dient. So ergeben viele Dinge zunächst gar keinen Sinn und auch diverse neu eingebrachte Figuren werden fast willkürlich in das Geschehen hinein geworfen, ohne das man eine Verbindung zwischen den Personen und der Story ableiten könnte. Das trägt dafür Sorge, das insbesondere die ersten 9 Episoden wenig strukturiert wirken und es entsteht des Öfteren vielmehr der Eindruck, als wenn man etliche Versatzstücke irgendwie aneinander gereiht hat. Das soll sich erst in der Folge ändern und Lynch webt dann auch im Laufe der Zeit die einzelnen Stücke für die Gesamtzusammenhänge ein, bis sich zum Ende hin endlich ein recht klares Gesamtbild ergibt. Der bis dahin eingeschlagene Weg ist allerdings recht mühsam und ehrlich gesagt offenbart das Format an diversen Stellen Momente, in denen der Betrachter auf eine harte Geduldsprobe gestellt wird.

"Twin Peaks 2017" ist extrem vielschichtig und die Geschichte der sogenannten "dritten Staffel" ist tief ineinander verschachtelt. Die Vielschichtigkeit und Komplexität der Ereignisse ist einerseits regelrecht brillant, stellt aber gleichzeitig auch eine Herausforderung an die Aufmerksamkeit des Zuschauers dar. Durch die manchmal verwirrende Erzählweise der Abläufe kommt es des Öfteren zu Irritationen, die sich erst mit zunehmender Laufzeit beheben lassen. Durch diesen Aspekt fehlt es den neuen Folgen ein wenig an der Leichtigkeit die in den ersten beiden Staffeln versprüht wurde, aber dafür ist es Lynch hervorragend gelungen, den Spannungsbogen immer straffer zu ziehen. Man fiebert förmlich der Auflösung des Ganzen entgegen, um nun endlich eine endgültige Antwort auf die vielen offenen Fragen zu erhalten. Viele eingebaute Andeutungen zielen dabei in eine bestimmte Richtung und diese verdichtet sich dann auch mit zunehmender Laufzeit. In der letzten Episode kommt es dann letztendlich zu einem Finale das mit einem relativ abrupten Showdown aufwartet und einen mit einem eher zwiespältigen Eindruck zurück lässt. Zwar wurden etliche Fragen beantwortet, aber dennoch lässt David Lynch Freiraum für eigene Interpretationen und sorgt so dafür, das man nicht rundum zufrieden Abschied von "Twin Peaks" nimmt.

Letztendlich ist es wie eigentlich immer bei Mr. Lynch, denn die Fortsetzung der Kult-Serie wird ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen. Vor allem durch die viel zu geringe Einbindung der beliebten Charaktere geht dem Format einiges an Liebreiz verloren, wohingegen die völlig neue Darstellung von Dale Cooper in einer Doppelrolle von Kyle MacLachlan absolut brillant interpretiert wird. Auch über mangelnden Humor kann man sich wahrlich nicht beklagen, kommt es doch während der 18 Folgen zu unzähligen skurrilen Momenten, bei denen man das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht bekommt. Und dennoch ist die Rückkehr nach Twin Peaks so gut wie gar nicht mehr mit der Serie von damals zu vergleichen, was aber in der Summe nicht zwangsläufig negativ bewertet werden muss. Der selbst für Lynch-Verhältnisse extrem surreale Anstrich des Ganzen fordert die volle Aufmerksamkeit des Betrachters und mag vielleicht nicht jedem gefallen, ist andererseits aber auch einer der teils genialen Höhepunkte dieser Fortsetzung. Alles in allem hat sich das lange Warten also durchaus gelohnt, trotzdem wird aber keinesfalls der unvergleichbare Charme der ersten beiden Staffeln erreicht., was in meinen Augen aber auch nicht wirklich zu erwarten war.


Fazit:


Das Mysterium "Twin Peaks" hat nun endlich sein Ende gefunden, wobei letztendlich aber doch nicht sämtliche Fragen erschöpfend beantwortet werden. Einiges bleibt der eigenen Interpretation überlassen, was Lynch wohl auch definitiv beabsichtigt hat. Die neuen Episoden beinhalten jede Menge Höhepunkte, offenbaren jedoch auch so manche Passage, in der sich eine gewisse Langatmigkeit erkennen lässt. Übrig bleibt eine überdurchschnittlich gute Fortsetzung, die allerdings nicht an die Perfektion des 90er Jahre Kults heran kommt, was manch einer aber sicher völlig anders sehen wird.


8/10

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